Am Samstag gönnten wir uns eine Pause von den geschichtsträchtigen Stadtlandschaften, die wir bisher besucht hatten. Unser Weg sollte uns nicht nur in das Troodosgebirge führen, sondern auch hindurch. Dabei war es das Ziel, einen Einblick in die vielfältigen geographischen Gegebenheiten, die die Geschichte der Insel beeinflusst haben, zu gewinnen. Um uns auch mental auf die Wanderung vorzubereiten, unterrichtete Nicole uns wie gewohnt mit den Fakten. So ist heißt der höchste Berg Zyperns ebenfalls „Olymp“ und befindet sich genau im Zentrum des Gebirges. Um ihn herum gruppieren sich viele Bergdörfer variierender Größe. Die Hauptwirtschaftszweige bestehen aus dem Weinanbau und der Bewirtung von Tourist:innen. Im Sommer ist diese Bergregion sehr beliebt, da die Temperaturen viel erträglicher sind (ca. 23°C - 25°C während unserer Wanderung). Neben der geographisch bedingten Kühle tragen die dichten Kiefernwälder durch ihren Schatten zu den angenehmen Temperaturen bei. Die meisten Inselflüsse haben hier ihre Quelle; das Wasserversorgungsnetz der Republik Zyperns baut zu großen Teilen auf der Stauung dieser Flüsse auf. So entstehen große Wasservorräte, die wiederrum die Landwirtschaft versorgen. So haben die Inselbewohner:innen Wege gefunden, sich mit der hohen Wasserknappheit zu arrangieren. Den Preis dafür zahlen aber auch die Flussökosysteme, und die Menschen, die von ihnen abhängig sind. Das Troodos - Gebirge spielt bis in jedem Fall bis heute eine vitale Rolle für den europäischen Inselstaat. Sogar zur Identitsstiftung des Landes hat das Bergmassiv aufgrund seiner geologischen Eigenheiten beigetragen: Neben der geographish begründeten strategisch wichtigen Lage der Insel wurde sie überdies bekannt für die reichen Kupfererz-Vorkommen, vornehmlcih im Troodos-Gebirge. Der Name der insel, Zypern leitet sich nämlich von dem griechischen Wort für Kupfer, „Kypros“ ab (und hat nichts mit Zypressen zu tun). Bis in die 1980er Jahre wurden zudem Chrom und Asbest abgebaut. Seit 2015 ist das Gebirge übrigens als UNESCO Global Geo Park zertifiziert und gilt als geschütztes Naturgebiet. Bei genauerem hinsehen erkennt mensch bis heute die dunkelgrauen Linien im Gestein, die auf Erzadern hindeuten. Darüber hinaus beherbergt das Troodosgebirge eine vielfältige Flora und Fauna. Besonders prominent waren hier die Schwarzkiefern, typisch für diese Höhenlagen - Allerdings ehemals eingeführt von den Römer:innen. Dazu gesellen sich die endemischen Arten, z.B. Troodos-Eibe und die Zypern-Zeder, welche gut an das Gebirgsklima angepasst sind. Leider haben wir von den einheimischen Tieren während unserer Wanderung nicht so viele gesehen - Viele Echsen und Schlangenarten sind dämmerungsaktiv und kommen daher erst Abends hervor. Und andere Tierarten, z. B. Das Mufflon, eine einheimische wilde Schafart, sind sehr scheu und halten sich von den viel frequentierten Wanderwegen fern. Allerdings ließen es sich einige mutige Käfer nicht nehmen, neugierig auf uns zu landen. Eine andere, interessante Entdeckung war eine Ski-Lift-Anlage, die umgeben von Bergblumen und Bäumen etwas fehl am Platze wirkte. Tatsächlich ermöglichen es die klimatischen Gebenheiten des Gebirges, dass im hiesigen Winter Wintersport betrieben werden kann-eine weitere Einnahmequelle für die umliegenden Dörfer. Nicht zu vernachlässigen ist natürlich die Aussicht vom Berg-Plateau über die Landschaft Zyperns. Bei klaren Witterungsverhältnissen lassen sich die Küstenlinien in der Ferne erkennen.
Darüber hinaus ist die Sicht in die Täler des besetzten Teils der Insel frei. Die Teilung Zyperns ist auch hier, in den scheinbar friedlichen Bergen, allgegenwärtig. Mit vielen kleinen und größeren Pausen erreichten wir nach ca. 3-4 h wandern schließlich den Treffpunkt mit dem Bus. Mensch muss zugeben. Dass wir eine sehr gemächliche Wandergruppe waren. Wir hatten uns viel Zeit genommen, um uns umzuschauen und die Landschaft zu genießen - doch waren auch die eingelegten Pausen bitter nötig gewesen. Denn: die Bergluft war dünn und die helle UV-Strahlung forderte trotz der kühleren Luft ihren Tribut. Ich muss zugeben, dass ich das etwas unterschätzt hatte. Umso glücklicher waren wir, als wir unsere verdiente Mittagspause in einem kleinen Restaurant in Omodos verbrachten. Omodos ist eines von vielen kleinen Dörfern im Troodos-Gebirge. Die Bewohner:innen leben größtenteils vom Wein- und Obstanbau, möglich durch das Fruchtbare Lavagestein des Gebirges. Ende Mai - Anfang Juni ist genau die Zeit der ersten Weinernte in den zyprischen Bergen. Und den Wein ließen wir uns nicht entgehen: Neben meiner nachbder Wanderung sehr dankbar großen Portion griechischen Joghurts mit Früchten teilte ich mir ein Glas des einheimischen Weines mit einer Freundin. Und ohne viel von Wein zu verstehen - hatte der Wein ein bisschen was von einer Offenbarung. Etwas in mir verstand, warum es im griech.-römi. Pantheon extra einen Gott dafür gab- der Gleichzeitig noch Gott des Theaters und der vergnügungen ist - und mit Vorsicht zu genießen. Omodos an sich besteht aus einem kleinen Dorfplatz mit groiech.-orthodoxem Kloster und verschiedenen Straßen, an welchen sich im Kern viele kleine Lädchen und Rerstaurants reihen, in welchem Besucher:innen die typischen Süßigkeiten und Erzeugnisse des Obstanbaus erwerben können: Sehr bekannt ist Lokum, typisch für den Mittelmeerraum, Wein (natürlich!) und viele Variationen von Nüssen verarbeitet mit Granatapfel, Syrup und Honig.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen